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Das
alte Kalkbergwerk zu Miltitz
Bericht
und Recherche Udo Krause
Die
Bergbaugeschichte
- Erste urkundliche Erwähnung des Kalkabbaues für das Rittergut derer
von Heynitz ab 1571.
-
Bis 1770 saisonaler Kalkabbau in den Sommermonaten.
- Von 1781 bis 1810 wurde durchgehend Kalk im sogenannten blauen Bruch über
Tage abgebaut.
- Ab 1850 ging man zum Tiefbau über. Nun wurde an zwei Stellen Kalk gebrochen,
bläulicher im Blauen Bruch und grauweißer bis weißer im Tiefbau.
Der Kalziumkarbonatgehalt des abgebauten Gesteins war sehr hoch, bis zu 98%.
Petrografisch ist es, bedingt durch die Kontaktmetamorphose des Meissner Granitmassives,
ein Marmor.
Es
wurde ein 150 m langer Förderbremsweg, die auch heute noch genutzte Strecke,
bis zur heutigen 2.Sohle vorgetrieben, über den der Kalk über Förderbänder
zu den Brennöfen, die am Ausgang standen, transportiert wurde. Von dort
ging die Ware als sogenannter Ätzkalk für das Baugewerbe, Rohkalk
in Stücken, und gebrannter Kalk für die Glaswerke, per Bahn zu den
Kunden.
Der
Tiefbau ging in dieser Zeit auf 5 Sohlen bis in eine Tiefe von 50 Meter. Vom
Ende des Förderbremsweges gingen die eigentlichen Abbauräume ab. Es
waren Weitungsbaue von 8 x 8 Metern Größe, ca. 10 - 12 Meter hoch.
An der Firste wurde aus Sicherheitsgründen 1 - 2 Meter Kalk stehen gelassen,
darüber lagert z. T. brüchiger Hornblendschiefer.
-
Ab 1896 begannen Probleme mit der Wasserhaltung des Bergwerkes, denn vom Flüsschen
Triebisch her drang verstärkt Wasser ein.
- Am 25. Mai 1916 brachen Teile der unterirdischen Weitungsbaue unterhalb des
Blauen Bruches zusammen. Es entstand ein gewaltiger Tagesbruch, die Pinge.
- Ab 1917 wurden deshalb die Grubenbaue bergmännisch verwahrt.
- Ab 1922 begannen wieder die Arbeiten im Tiefbau und ab 1923 im blauen Bruch.
- Da sich die Kalkvorräte erschöpften und immer mehr in Richtung Bahngleise
verschoben ließ man ab 1924 die Grube absaufen.
Das
Kalkwerk im II. WK
Ab
1943 begann man im Rahmen des Mineralölsicherungsprogramms des Ministers
für Bewaffnung und Munition des III. Reiches (auch Geilenberg Programm
genannt) geeignete Stellen für die Untertage Verlagerungen zu suchen. Unter
dem Decknamen Molch 3 & 4 wurden auch die Hohlräume in Miltitz mit
einbezogen. Hier sollte durch Kracken aus minderwertigem Benzin hochwertiges
Flugzeugbenzin hergestellt werden, welches dringend benötigt wurde, da
die Alliierten immer mehr die Raffinerien Deutschlands zum Ziel ihrer Angriffe
machten. Außerdem sollten Ventile und Kolbenringe für die Flugzeugindustrie
produziert werden. Dazu waren jedoch umfangreiche Einbauten nötig. Deshalb
begann 1943 die Arbeitorganisation Todt, die zu diesen Zeitpunkt bereits das
gesamte Bauwesen des Reiches unter ihrer Führung hatte, mit dem Bau Ihres
sogenannten Arbeitserziehungslagers III. In ihm sorgten Zwangsarbeiter für
den reibungslosen Ablauf der Arbeiten. Dazu wurde der gesamte Außenbereich
der Grube mit Tarndraht überspannt und mit Netzen vor Fliegerangriffen
verborgen.
Der
Firma Uhde aus Düsseldorf, einem Betrieb für chemisch technisch Anlagen,
oblag die Konstruktion des Objektes. Die dazu benötigten Anlagen wurden
per Bahn aus Monowitz und Umgebung antransportiert. Dazu wurde Untertage eine
Maschinenhalle mit Schornstein sowie Auflagen für die Benzintanks gebaut.
Die dafür genutzte Fläche war mit 10.000 qm angegeben.
Trotz
intensivem Einsatz von Material und leider auch Menschen, es kamen dabei 17
Arbeiter um Leben, kam es nie zur Produktion von Flugzeugbenzin. Lediglich Kolben
und Ventilringe wurden gefertigt.
Ab
dem 7.8. 1944 wurde die Anlage gesperrt.
Es
gibt immer wieder Gerüchte das sich ein angebliches Projekt Thor, welches
sich mit der Herstellung von schwerem Wasser beschäftigen sollte, auf die
Anlagen in Miltitz bezieht. Dafür gibt es jedoch keinerlei Hinweise. Es
ist zu vermuten das dies mit der Organisation Todt verwechselt wird.
-
Nach dem Krieg wurden die Grubenbaue wieder leergepumpt und, speziell unter
den Reichsbahngleisen verfüllt und verwahrt.
- Ab 1967 wurden die Pumpen für immer abgestellt.
Miltitz
heute
- 1997 erste Tauchversuche nach einem langen Genehmigungsverfahren
- Beginn der Verlegung des Hauptseiles mit UW - Bohrarbeiten und Edelstahlankern
- 1998 fest verlegte Führungsleine durch die II. Sohle auf ca. 6 Metern
Tiefe
- Genehmigung für das Betauchen der unter Wasser stehenden Grubenbaue durch
das Bergamt
- Beginn des Ausbaues als Besucherbergwerk durch die Gemeinde
- Vertrag mit der Gemeinde über die Nutzung als Höhlentauchgewässer
- Änderung des Einstiegspunktes
- 1999 - 2002 mehrere Nebenleinen werden verlegt. Die Leinenlänge beträgt
nun 650 Meter
- 2001 Ausbau des Taucheinstieges. Einbau eines Tores und Beleuchtung des Einstieges
- 2002 1. Trimix - Cave Tauchgang in Miltitz
Die
Tauchbedingungen
Sohle I über Wasser
Höhlensee mit Maschinenhausfundamenten und Tankauflagen sowie Einstiegsbereich
Sohle II UW
- Fest installierte Hauptführungsleine mit 22 mm Dicke vom Einstieg bis
zum Höhlensee.
- Ganghöhe 3 - 8 Meter
- Max Tiefe 8 Meter
- Abgehender Quergang, Ganghöhe 2 Meter zur sogenannten Kaverne, endet
blind in großem Saal mit Auftauchmöglichkeit.
- Verschiedene Bauten unbekannter Bestimmung, Reste eines Deckenförderbandes,
Armierungen für weitere geplante Einbauten, Kalkausblühungen, genannt
Makkaroni
- wenig Sedimentablagerung
- Tauchzeit ca. 45 min.
Runde II
- fest installierte Leine (5 mm) vom Hauptseil
- Ganghöhe 3 - 10 Meter
- Max. Tiefe 18 Meter
- Größere Sedimentablagerung
- Tauchzeit ca. 20 min.
Runde
III (Loop)
- fest installierte Leine (3 mm) von Schrägabbau 1 zur Runde II
- Ganghöhe 2 - 12 Meter
- Max. Tiefe 26 Meter
- Größere Sedimentablagerung
- Tauchzeit ca. 35 min.
Sohle III UW
- Leine abgehend von Sohle II über Schrägabbau 2 mit Ganghöhen
von bis zu 10 Meter
- Max. Tiefe 26 Meter
- Gang (sogenannter Blinddarm) nach links gehend
- Ganghöhe bis 2,5 Meter
- Blind endend
Achtung seitlicher Quergang, nach oben führend endet blind!!!
- keine liegende Leine
- Größere Sedimentablagerung
- Tauchzeit ca. 45 min.
ACHTUNG ab hier sind für Besucher keine Tauchmöglichkeiten
mehr !
Diese Systeme wurden in Rahmen von Forschungsaufträgen mit Mischgasen
untersucht.
Sohle
IV UW
- Ganghöhen bis zu 12 Metern
- Max. Tiefe 31 Meter
- Gang nach links gehend
- Ganghöhe bis 3 Meter
- blind endend jedoch Auftauchmöglichkeit zu Sohle III
- Größere Sedimentablagerung
- keine liegende Leine !
Sohle
V UW "Adolph von Heynitz Halle"
- Hallenhöhen bis zu 25 Metern "A.v.H. Tafel"
- Max Tiefe 45 Meter
- Gang beidseitig abgehend
- Treppe hinauf bis 23m Wassertiefe, dann verfüllt, keinerlei Auftauchmöglichkeit
- größere Sedimentablagerung
- neue Leine
Unterhalb Sohle V UW
- Tiefbaue
- Ganghöhe 4 - 5 Meter
- Max. Tauchtiefe ca. 65 Meter
- sehr große Sedimentablagerungen
- großes System, Größe etwa vergleichbar mit Sohle II
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